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Vielvölkerstaat Kenia

Nur 3% der Bevölkerung Kenias entfallen auf Völker der  kuschitischen Sprachgruppen. Sie stammen aus dem Gebiet der heutigen Staaten Äthiopien und Somalia und leben in den Halbwüsten des Nordens und des Nordostens. Zu den Ostkuschiten zählen die BoranBurji, Dassenich, Rendille,Orma, Gabbra, El Molo und Somali. Alle Ostkuschiten mit Ausnahme der Somali werden  auch unter der Bezeichnung Oromo (gleich bleibend mit Galla) zusammen gefasst. Der Lebensraum der Boran erstreckt sich vom Turkanasee bis zum Tanafluß. Als Nomadenziehen sie mit ihren Herden von Weide zu Weide und sammeln sich in der Trockenheit an den Wasserstellen.

 

Dieser Turkana-Mann schützt seine kunstvolle Frisur während des Schlafens durch eine hölzerne Kopfstütze

 

Die Burji pflanzen in den Distrikten Moyale und Marsabit Mais, Bohnen, Kürbisse, Kaffee Tabak und Baumwolle an und betreiben in den Städten Handel. Zwischen Marsabit und der äthiopischen  Grenzeleben die Gabbra. Am nördlichen Teil des Turkanasees sind die Dassenich zu finden, deren Männer einen charakteristischen Kopfputz tragen. Er besteht aus Straußenfedern, bemaltem Lehm und einer Holzstütze, auf der während des Schlafens ihr Kopf ruht. Früher sagte man dieser Gruppe besondere Grausamkeit nach: Die Krieger kastrierten ihre getöteten Feinde und hängten sich deren Genitalien als Zeichen der Männlichkeit um den Hals.

Die Rendille leben zwischen dem Süd-Ende des Turkanasees und dem Ndotowald. Das nur 500 Menschen umfassende Volk der El Molo lebt auf zwei Inseln des Turkanasees sowie  an dessen südöstliches Ufer. Traditionell fischen die Männer auf dem See und jagen an dessen Ufer. Nach Eröffnung einer Touristenlodge in engster Nachbarschaft, machten sich bald Alkoholismus und Kriminalität unter ihnen breit. Ihre ursprüngliche Lebensweise haben die El Molo weitgehend aufgegeben. Heute sprechen sie Samburu. Die Somali bewohnen das nordöstliche Grenzgebiet zu Somalia. Ihr Lebensinhalt sind Kamele, deren Milch ihr Hauptnahrungsmittel ist. Der Brautpreis für eine Frau beträgt etwa 50 Kamele. Häufig kommt es zu Viehdiebstahl und Überfälle auf Reisende. Manche der Somali-Banden pendeln zwischen den Staatsgrenzen. Im letzten Jahrzehnt sind rund 250 000 Flüchtlinge aus der Republik  Somalia hinzugekommen.

 

Zur südkuschitischen Gruppe zählen Boni, Wata, Yaaka und Dahalo im Hinterland der Küste, die einst mit Elfenbein handelten. Heute widmen sie sich dem Ackerbau und der Viehzucht. An der Küste leben die Swahili („Küstenbewohner“). Angehörige verschiedener Bantu-Gruppenvermischten sich mit Arabern und nahmen deren städtische Kultur an. Ihre Sprache ist Kiswahili, geprägt sind sie durch den Islam und die arabisch beeinflusste Kultur. Swahili-Männer tragen ein knöchellanges, weißes Hemd mit langen Ärmeln (kanzu) und ein kunstvollbesticktes Gebetskäppchen (kofia) . Für Frauen war früher der bui-bui vorgeschrieben: Ein schwarzer Umhang, der nur die Augen frei ließ. Heute kleiden sie sich in der Regel mit Rock und Bluse, um die bunte Baumwolltücher (kanga) gewickelt werden. Mit Henna malen sich die Frauen vor Feiertagen und Festen kunstvolle Ornamente auf ihre Hände. Sie besorgen den Haushalt und erziehen die Kinder, während die Swahili - Männer als Fischer, Händler und Handwerker beschäftigt sind. In den Küstensiedlungen bilden die Wohnviertel (mtaa ) kleine Einheiten. Jedes wird von einem Ältestenrat regiert und wählt ein Sprecher.  

 

 

Nichtschwarze Minderheiten

Mit dem Verbot des Sklavenhandels wurden die an der Küste lebenden Araber wirtschaftlich entmachtet, noch etwa 45 000 leben heute in Kenia. Waren sie früher Plantagenbesitzer und Großhändler, so arbeiten sie heute als Arbeiter, Bauern und Kleinhändler. Die Geschichte der Asiaten begann mit dem Eisenbahnbau, für den an die 32 000 Arbeiter in Gujarat und im Punjab angeworben wurden. Rund 7 000 von ihnen blieben in Kenia, fanden Anstellung  bei der Eisenbahn Kolonialverwaltung bzw. betätigten sich als Kleinhandwerker und Fuhrleute. 1935 gründete Makhan Singh die erste Gewerkschaft im Land. Durch weitere Zuwanderer  nahm ihre Zahl zu, und da ihnen Landkauf lange Zeit untersagt war, mussten sie sich  auf andere Berufe verlegen.

Viele Asiaten haben sich als Betreiber von Gemischtwarenläden ( duka ) und als kleine Angestellte durch Fleiß, Familienhilfe und Gruppensolidarität hochgearbeitet. Auch der Geldverleih war und ist ihre Domäne. Asiaten kontrollieren heute Banken, Industriefirmen sowie Hotelkomplexe und dominieren das Verlagswesen und den Buchhandel. Sie können sich auf ein weit verzweigtes Netzwerk stützen, das nicht nur die Nachbarländer, sondern auch Indien, Pakistan und Großbritannien einschließt. Außerdem finden sich unter ihnen überdurchschnittlich viele Ärzte und Rechtsanwälte. Der angesehene Advokat Chunilal B. Madan z.B. brachte es nach der Unabhängigkeit bis zum obersten Richter Kenias.

Einige Asiaten unterstützen das schwarze Unabhängigkeitsstreben, doch stand die Mehrheit zur Kolonialverwaltung. Die Religionsvielfalt ist beträchtlich: Es finden sich Hindus, Sikhs sunnitische Muslime, schiitische Aga -Khan- Anhänger und katholische Christen aus Goa, das bis 1961 zu Portugal gehörte. Die Hindu - Frauen mit dem bunten, über Hüfte und Schulter geschlungenen Sari bieten ein prächtiges Bild, die Kasteneinteilung wird strikt beachtet. Bei der Unabhängigkeit lebten 180 000 Asiaten in Kenia, heute sind es rund 70 000. Trotz der kleinen Zahl kann ihr Einfluss nicht hoch genug angesetzt werden. Von aktiven politischen Engagement halten sie sich seit jeher zurück, sie suchen vielmehr die diskrete Kooperation mit der politischen Elite. Nicht wenige millionenschwere Geschäftleute pflegen das Wohlwollen der Herrschenden durch großzügige Geschenke zu erkaufen. 

Die meisten Asiaten leben  zurückgezogen und haben im allgemeinem weniger sozialen Kontakt zu schwarzen Kenianern als Weiße. Manche Afrikaner werfen ihnen daher Arroganz und Rassismus vor. Außerdem rufen ihr Reichtum und ihre guten Beziehungen Neid hervor. Beim gescheiterten Putschversuch im August 1982 wurden asiatische Geschäfte geplündert  und Asiatinnen vergewaltigt. Immer wieder finden sich schwarze Politiker, wie z. B.1992 Kenneth Matiba  ( FORD – Asili), die mit Ausfällen gegen diese Minderheit Stimmen zu mobilisieren suchen. Als warnendes Beispiel haben die Betroffenen das Schicksal ihrer Verwandten in Uganda vor Augen, die von Idi Amin1972 Hals über Kopf außer Landes gejagt wurden. Sein Nachfolger rief sie wieder zurück, da erden immensen wirtschaftlichen Schaden dieser Maßnahme erkannte. Nun würdigte erstmals eine Ausstellung im Nationalmuseum von Nairobi den vergessenen Beitrag der Asiaten beim Aufbau Kenias.

Die weißen Einwanderer kamen als Missionare, Kolonialbeamte, Geschäftsleute, Farmer und  Ingenieure ins Land. Nicht alle stammten aus dem britischen Empire. So war der Ehemann der Schriftstellerin Karen Blixen ein schwedischer Baron. Unter den britischen Zuwanderern waren viele Angehörige der oberen Mittel – und Oberschicht sowie pensionierte Kolonialbeamte und Offiziere. Sie zogen Rhodesien und Kenia den „proletarischen“ Siedlungskolonien wie Australien Kanada oder Neuseeland vor. Kenia wurde als vornehmer erachtet, da es dort im Gegensatz zu Rhodesien kaum Bergwerke gab. Der Pioniergeist und der Fleiß der weißen Siedler haben dem Land zu einer führenden Stellung in Ostafrika verholfen, Wobei die schwarze Arbeitskraft die Basis des kolonialen Wirtschaftssystems war.

Die meisten Siedler haben Kenia nach der Unabhängigkeit verlassen. Europäer, Asiaten und Araber konnten bis 1970 Kenianer werden, mussten  aber in diesem Fall ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben. Nur an die 4 000 weiße Einwohner haben sich damals zusammen mit 61 000 Asiaten und 28 000 Arabern für diesen Weg entschieden. Ausländer wurden in Folgenden Jahren aus dem Land gedrängt. Sie durften keinen Grund und Boden erwerben, erhielten nur unter großen Schwierigkeiten eine Gewerbelizenz und waren diskriminierenden Bestimmungen ausgesetzt. Heute leben noch knapp 4000 Kenia Cowboys im Land, zumeist einige weiße Landwirte. Angesichts ihrer geringen Zahl stellt ihre Anwesenheit kein Problem dar.

 

 

 

 

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